Saison mit Herausforderungen

Als Botschafter des ASB Nürnberger Land setzt sich Profisportler Matthias Schindler für Inklusion und Integration ein. Was möglich ist, wenn man an sich glaubt und nicht aufgibt, bewies der 44-jährige Para-Radsportler, Weltmeister und Paralympics-Medaillengewinner auch in dieser Saison: Er nahm zum ersten Mal am Challenge in Roth teil - und erreichte das Ziel. Wir haben mit Matthias Schindler über die letzten Monate gesprochen und darüber, wie und woraus er Kraft und Motivation schöpft.

Matthias, wie zufrieden bist Du mit dem Verlauf der aktuellen Saison?

Matthias Schindler: Ich bin nicht ganz zufrieden. Die Vorbereitung war durchwachsen. Es war der erste Winter seit vielen Jahren, in dem ich nicht eine längere Zeit im Ausland in der Wärme zum Training war. Das habe ich in der Saison gemerkt. Beim ersten Weltcup in Belgien wollte ich unter die Top 5 fahren und wurde am Ende 7. Da war mehr drin.
Beim zweiten Weltcup stürzte ich leider im Zeitfahren und konnte erstmals in meiner Karriere ein Rennen nicht beenden.
Die Form war bisher nicht schlecht, aber zufrieden kann ich mit dem Verlauf sicherlich nicht sein.

Gab es besondere Herausforderungen, die Du bewältigen musstest?

Herausfordernd waren die Trainingsbedingungen. Es war hier in Deutschland teils viel zu kalt für längeres Training im Freien und hat im späteren Verlauf des Winters viel geregnet. Es brauchte schon mentale Kraft, den Trainingsplan durchzuziehen. Nach dem Sturz in Italien im Zeitfahren zwei Tage später im Straßenrennen an den Start zu gehen, war auch nicht leicht. Die Blessuren habe ich noch deutlich gespürt, wollte aber natürlich das nicht beendete Zeitfahren durch ein gutes Straßenrennen wett machen.

Welche Ziele hast Du dir für die nächsten Monate gesetzt und worauf freust Du sich besonders?

Mein großes Ziel war mein erster Langdistanztriathlon. Ich hatte einen Startplatz bei der Challenge Roth. Daher habe ich mich seit dem letzten Weltcup neben dem Radtraining auch gezielt mit Schwimm- und Lauftraining auf diese Herausforderung vorbereitet. Ich habe mich sehr auf dieses Event gefreut, gleichzeitig war es durchaus ein hochgestecktes Ziel, nach 3,8 Kilometer Schwimmen und 180 Kilometer Radfahren mit meiner Schwerbehinderung auch noch einen Marathon über 42 Kilometer zu laufen.
Für das Schwimmen habe ich mir einen Trainer gesucht, der mich auf diesem Weg begleitet und betreut hat. Ich habe es geschafft und bin nach etwas mehr als 11,5 Stunden ins Ziel gekommen. Das war schon ein unglaubliches Gefühl.
Die kommenden Wochen wechsle ich das Trainingsgerät vom Rennrad zum Mountainbike. Das mache ich immer einmal im Jahr für eine kurze Zeit. Ich freue mich auf den etwas anderen Trainingsreiz und darauf, weg von der Straße, dem Verkehr und in der Natur zu sein.

Wenn es mal schwierig oder hart wird: Was motiviert Dich am meisten?

Mich motiviert meine Familie. Die Zeit, die ich bekomme durch die Freistellung vom Polizeidienst. Natürlich trainiere ich nicht acht Stunden am Tag. Ich bin auch mit der Trainingsgestaltung sehr flexibel und schaffe es eigentlich immer, gemeinsam mit der Familie zu frühstücken oder meine beiden Mädels mal in den Kindergarten zu bringen. Diese Flexibilität habe ich, da ich als Spitzensportler gefördert werde. Das ist ein Privileg. Und das treibt mich an, auch wenn es mal schwierig wird, die Bedingungen nicht gut sind oder das Training mal wieder hart ist. Und es hilft, auch mit Niederlagen umzugehen und nach vorne zu blicken.

Dein Lebensmotto in einem Satz:
Ich lebe nicht im Fokus meiner Einschränkungen, sondern im Fokus meiner Möglichkeiten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zu Matthias Schindler:
Seit einer Operation zur Entfernung eines Rückenmarkstumors lebt Matthias Schindler mit einer inkompletten Querschnittlähmung. Er verlor aber nicht den Mut und feierte und feiert Erfolge als Para-Radsportler und Paralympics-Teilnehmer. Zusätzlich setzt er sich für Inklusion und Integration ein und engagiert sich als Botschafter für das integrative Kinderhausprojekt „KindSeins“ des ASB in Hersbruck. Der 44-Jährige ist verheiratet, Vater von zwei Töchtern und lebt mit seiner Familie in Rohr.

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